Was ist eigentlich Kendô?

Das Wort Kendo ist japanischen Ursprungs und bedeutet Weg des Schwertes. Weg hieß ursprünglich einfach Lebensweg. Wenn man dem Weg des Schwertes folgte bedeutete das, daß man sein täglich Brot durch die Handhabung des Schwertes erwarb. Man gehörte also der Kriegerkaste an, deren Mitgliedern allein das Tragen eines Schwertes gestattet war.

Eine spätere buddhistische Durchdringung des Weges als Weg zur Erleuchtung oder Weg zur eigenen Vervollkommnung führte nicht zu einem Wiederspruch. Miyamoto Musashi (1564-1645), der gemäß der Überlieferung durch die Schwertkunst zur Erleuchtung gelangte, betonte immer wieder, wie wichtig die unablässige Übung bis zur Vervollkommnung ist.
Schwert ist gleichbedeutend mit Katana, der leicht gekrümmten, nur auf der konvexen Seite scharfen japanischen Klinge, die als bisher nicht wieder erreichter Höhepunkt der Schmiedekunst gilt. Das Katana ist extrem scharf: Um einen Gegner von oben bis unten zu zerteilen war kaum Körperkraft zum Schneiden nötig. Lediglich für die Führung der Klinge und dem Halten der Schnittlinie wurde Kraft benötigt.

 

Die Geschichte des Kendô

Die Ursprünge des Kendo reichen bis vor das 9. Jahrhundert zurück. Alte Mythen und Kriegsromane überliefern uns ein Bild von dieser frühen Form des Kendo, das zu jener Zeit bloß eine Ansammlung von Schwertkampftechniken ohne jeden geistigen Anteil war.

Gekämpft wurde mit einer Vorform des Katana, dessen Klinge gerade und beidseitig geschärft war. Im Kampf wurde mit dieser Waffe, ähnlich dem europäischen Schwertkampf, vorallem gestoßen, gestochen und geschlagen.

Erst viel später sollte sich die Kunst des Schneidens herausbilden, wodurch Kendo dann seinen Anfang nahm.

Es entstand als gegen Ende des 15. Jahrhunderts eine Vielzahl verschiedenster Richtungen systematisiert wurden. Mit dieser Vereinheitlichung wurden zu dieser Zeit auch die ersten Schulen gegründet.

Die grundlegende Übungsform war die Kata, die Einübung von festgelegten, einen Kampf simulierenden, Bewegungsabläufen. Diese Formen wurden mit dem Katana oder Bokuto (Holzschwert) ausgeführt. Es entstand auch der Dojo (Übungshalle, wörtlich: Ort des Weges), der notwendig wurde um die Techniken einer Schule vor fremden Augen zu schützen.
Neben den aufgezeichneten Lehrinhalten einer Schule entwickelten sich die Tradition der Kuden oder mündlichen Überlieferung, die die tieferen Lehren einer Schule beinhaltete und nur mündlich vom Lehrer an der Schüler weitergegeben wurde. Diese Tradition ist bei einigen Schulen bis zum heutigen Tag ungebrochen.

Ab dem 17. Jahrhundert war Kendo ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung eines Samurai (japanischer Ritter). Zu jener Zeit verschmolz Kendo mit dem Begriff des Bushido (Weg des Kriegers), einem wichtigen Bestandteil der japanischen Geistesgeschichte, und beanspruchte neben der reinen Technik auch die Ausbildung einer geistigen Kraft. In der Verschmelzung des Kendo mit der Lehre des Buddhismus und des Konfuzianismus fand diese Bewegung ihren Höhepunkt.

Dies bedeutete für die Erziehung des Samurai jetzt auch Ziele wie Menschenliebe, Gerechtigkeit, Höflichkeit, Klugheit und Loyalität anzustreben.

Das moderne Kendô

Das heutige Kendo wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelt. Es entstand die Kendorüstung bestehend aus Men (Helm), Kote (Handschuhe), Do (Brust-/Bauchpanzer) und Tare (Hüftschutz), sowie dem Fechtschwert aus Bambus, dem Shinai.

Das praktische Training sowie das Wettkampftraining bestand nun nicht mehr im allgemeinen Erlernen der Kataformen, sondern wurde zusätzlich sportlichen Regeln unterstellt.
Die Rüstung schützt die erlaubten Trefferflächen, wodurch Kendo trotz Vollkontaktkampf eine der Sportarten mit dem geringsten verletzungsrisiko ist.

1911 führte man Kendo erstmals als offiziellen Schulsport für alle Gymnasien ein und legte damit den Grundstein für das moderne Kendo.

1912 erarbeitete der japanische Budobund eine Vereinheitlichung der bis dahin gültigen Kataformen und reduzierte deren Vielzahl auf die noch heute üblichen 10 Grundformen, die Nihon-Kendo-Kata.

Nach und nach wurde Kendo so modernisiert, daß es als Nationalsport allgemeine Verbreitung finden konnte.

Kendo wurde in den Dienst des Militarismus gestellt, der im 2. Weltkrieg gipfelte und deswegen nach dem Krieg von den US-Amerikanern verboten.

Mit dem Friedensvertrag im Jahre 1951 und der damit verbundenen Wiedergewinnung der Unabhängigkeit fiel dieses Verbot weg. Im Oktober 1952 rief man den neuen japanischen Kendobund in‘s Leben. Vom Staat wurde Kendo zunächst aber sehr zurückhaltend gefördert und war erst wieder Anfang der sechziger Jahre wieder Budopflichtfach an den Schulen.

Auch Kinder und Frauen begannen nun Kendo zu erlernen. Darüber hinaus wurde Kendo auch außerhalb Japans immer populärer und von hunderttausenden Aktiven in zahlreichen Ländern praktiziert. Diese Internationalisierung fand u.a. ihren Ausdruck in den Weltmeisterschaften, die alle 3 Jahre von der IKF (International Kendo Federation) organisiert werden.

Kendo, eine nicht geschlechts- oder altersgebundene Kampfsportart, ist heute nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Ländern weit verbreitet. Auch in der Bundesrepublik setzt sich der Kendosport allmählich durch.

So sehr es auch sportlichen bzw. modernen Charakter angenommen hat, ist es wichtig Kendo in seiner entwicklungsspezifischen Eigenart zu verstehen und dieses Verständnis dann in den Kampf einzubringen.

Auch die dem japanischen Rittergeist so vertrauten Eigenschaften wie Direktheit, Willenseinheit, spontane Entscheidungs- und Vollzugsfähigkeit sind Inhalte, die für unser heutiges Leben von gleichbedeutender Aktualität sind und uns vom modernen Kendo vermittelt werden.

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